Die Hasen sind los!
Vorsicht, die Hasen sind los und es werden sicher bis zum Osterfest immer mehr – und das nicht nur in Schokoladenform im Supermarkt. In der Nachbarschaft nehmen rosarote, hellgrüne und orange Plastikhasen zur Garten-Deko gerade täglich zu und gestern beim Laufen habe ich tatsächlich einen Feldhasen vorbeirasen sehen. Dieses Rennen hat er klar gewonnen.
Das Foto mit dem Hasen-Verkehrsschild erinnert mich jedes Mal wieder an meine Recherche-Reise in den Lake District in die Grafschaft Cumbria – nicht nur eine der schönsten Gegenden in England (wie ganz viele Engländer zurecht behaupten), sondern eine perfekte Kulisse für meinen Debütroman ‚und All das Leben in deinem Kopf‘. Darin geht es um zwei Schwestern auf dem Weg zu sich selbst. Die Autorin Isabel ist auf der Suche nach einem künstlerischen Neuanfang und versucht gleichzeitig, den Mikrokosmos ihrer Familie neu aufzubauen, während ihr Protagonist und SciFi-Held ein unkontrollierbares und gefährliches Eigenleben beginnt. Ihre Halbschwester Julia ist Literaturwissenschaftlerin und auf dem zu einem Kongress in den Lake District. Hier zerbröckelt ihr Schutzwall, den sie über Jahre um sich herum aufgebaut hat, und sie öffnet sich mehr und mehr für neue Menschen und insbesondere ihre eigenen Gefühle.
Die betörend schöne Landschaft vom Lake District bleibt unvergessen für mich und hat mich sehr inspiriert. Die Bilder sind fest und unwiderruflich in meinem Gehirn gespeichert. Dazu gehören auch die Wildkaninchen, denen man beim Wandern begegnet, wenn man Glück hat. Der berühmte Dichter William Wordsworth lebte im Lake District, konkret im Ort Grasmere. Es lohnt sich in jedem Fall, sein ehemaliges Wohnhaus ‚Dove Cottage‘ und das Museum zu besuchen. Auch das wird in meinem Roman natürlich thematisiert. In einem seiner bekanntesten Werke ‚Resolution and Independence‘ spielt ein Hase in der 2. Strophe eine ziemlich große Rolle. Hier beschreibt der großartige Dichter Wordsworth eine besonders stürmische Nacht. In diesem Gedicht steht der Hase symbolisch für Lebensfreude und Übermut, sowie die Unbeschwertheit und Kraft der wilden Natur. Absolut lesenswert.
Zurück zu den Erlebnissen meiner Romanfigur Julia im Lake District. In der Szene, wo sie ihre neue Bekannte, die Engländerin Anne Wood, in ihrem Haus besucht, geht es auch um Wildkaninchen:
Julia traf erst beim Eintreten der Dunkelheit bei ihrer Gastgeberin ein.
„Entschuldigen Sie bitte vielmals … Ich habe die Kontrolle über die Zeit verloren.“
„Das macht nichts. Das passiert hier öfter. Ich habe das Kaninchen im Schlafrock wieder in den Ofen geschoben.“
Anne Wood schaute in Julias erschrockenes Gesicht.
„Sie mögen wohl keine Kaninchen essen. Das habe ich mir gedacht. Ich habe Auberginenrouladen mit Speck, Reis und Tomatengemüse gekocht. Wir nennen das Gericht aus Spaß Kaninchen im Schlafrock, weil es genauso aussieht, wenn es fertig ist. Auch die Aubergine bekommt einen Speckmantel verpasst, ob sie will oder nicht.“
(Silke Brügel, und All das Leben in deinem Kopf, BoD Verlag 2020, Seite 140)
Die Gespräche beim gemeinsamen Essen und Wandern mit Anne Wood haben für Entwicklung und Veränderung von Julia in dem Buch eine wichtige Bedeutung. Mehr wird hier nicht verraten.
Der Hase steht für Ängstlichkeit, aber auch für die Überwindung der Ängstlichkeit – und diese zweitgenannte Symbolik ist für meine Romanfigur Julia von Bedeutung.






