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Eine abenteuerliche Studienreise

Aufbruch und Neubeginn - Das sind die Themen der Autorin Silke Brügel. Das zeigte sich als Lebensmotto schon früh im Leben von Silke Brügel. Ein Beispiel war die Recherchereise in die Türkei zum Ende des Studiums.

Wie im Blogbeitrag ‚Meine erste Buchveröffentlichung‘ angekündigt, folgen heute weitere Infos zur Entstehung meiner ersten biografischen Veröffentlichung mit dem Titel ‚Leben und Wirken Ernst Reuters in der Türkei‘, die 1991 in Istanbul erschienen ist. Als die Magisterarbeit in meinem Hauptfach Politologie an der Universität München anstand, habe ich mich entschieden, in die Türkei zu fahren, um mehr über die Zeit von Ernst Reuter im Exil zu erfaren. Der spätere Bürgermeister von Berlin, der aus Nazi-Deutschland geflüchtet war, arbeitete und unterrrichtete bis zu seiner Rückkehr 1945 nach Deutschland in der Türkei. Ernst Reuter war während seiner achtjährigen Lehrtätigkeit an der Hochschule für Politische Wissenschaften in Ankara maßgeblich an der Ausbildung zukünftiger Führungskräfte auf diesem Gebiet beteiligt. Meine Idee war es, ehemalige Schüler von ihm zu finden, um zu erfahren, welchen Eindruck und welche Wirkung die Lehren und Visionen von Ernst Reuter bezüglich der kommunalen Selbstverwaltung und ihrer Bedeutung für die Politik bei ihnen hinterlassen hatten. 

Das war ein riskantes Projekt, teils mit offenem Ausgang, und ich bekam von der damaligen Union der Türkischen Industrie- und Handelskammern und Warenbörsen in der Bundesrepublik in München ein Stipendium dafür. Und so konnte ich als Studentin einen mehrwöchigen Aufenthalt in der Türkei finanzieren. Dieser führte auf teils abenteuerlichen Wegen quer durch das Land von der Hauptstadt Ankara, über den Süden nach Izmir und zu abgelegenen Orten wie Datca in der Ägäis-Region bis nach Istanbul, um die noch lebenden ehemaligen Schüler von ihm zu interviewen. Einer von ihnen war sogar mehrere Jahre als Minister tätig und sagte aus, dass er Ernst Reuters Ideen über kommunale Selbstverwaltung immer wieder im Kabinett vertreten hatte.  Natürlich sammelte ich viele weitere Informationen über die deutsche akademische Emigration in die Türkei nach 1933 und habe das in meine Studienarbeit eingebaut. 

In jedem Fall kam nach Abschluss der Magisterarbeit sehr schnell die Anfrage, sie in Deutsch und in Türkisch zu veröffentlichen.  Und – auch wenn das Werk heute vergriffen ist (und nur in wenigen spezialisierten Büchereien ausgeliehen werden kann)- hat es über viele Jahre einen wichtigen und sehr positiven Aspekt der deutsch-türkischen Beziehungen weitervermittelt. 

Was mir damals natürlich noch nicht klar war, ist die Bedeutung dieser abenteuerlichen Studienreise für mein späteres Leben als Autorin.  Aufbruch ins Ungewisse, die Bereitschaft, sich auf vollkommen neue Wege einzulassen, ohne zu wissen wohin sie uns führen werden – Das ist ein Hauptthema meiner bellestristischen Werke, deren  ProtagonistInnen sich  nach vielen Irrungen und Wirrungen für ihren Mut selbst belohnen.

Und natürlich war mir damals auch nicht klar, dass diese Reise der Anfang von vielen weiteren – teils langen – Studienaufenthalten in Europa war; in Portugal und insbesondere in Frankreich, in England und in Spanien. So spielt ein Teil meines ersten Romans ‚und All das Leben in meinem Kopf‘ im Lake District im Nordwesten von England. Und in meinem zweiten Roman ‚Mission Helene‘  ist die südspanische Stadt Sevilla ein wichtiger Schauplatz. Die Geschichte ‚Big Deal‘ aus meinem literarischen Werk ‚Dr. Hoffmann erzählt von der Liebe‘  spielt in Paris. 

Für mein neues Buchprojekt bin ich ebenfalls wieder unterwegs gewesen  – diesmal auf einer Insel. Mehr wird an dieser Stelle noch nicht verraten. 

Mein Fazit: Obwohl diese erste Buchveröffentlichung schon so lange Zeit zurückliegt, bin ich immer noch dankbar und glücklich darüber. Die Reise in die Türkei war auch eine Reise zu mehr selbst und ich habe dabei  die Liebe zum Schreiben entdeckt, die mich durch das Leben trägt und weiter tragen wird.